Wolfsburg - Mit einer aufopferungsvollen Leistung hat der VfL Wolfsburg einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf gewonnen. Am Samstag (15.04.06) trennte sich das Team von Trainer Klaus Augenthaler vor 27.996 Zuschauern in der VOLKSWAGEN ARENA von Werder Bremen mit 1:1 (1:1).
Die Gäste waren bereits in der sechsten Spielminute durch einen Treffer von Nelson Valdez in Führung gegangen, die jedoch Marian Hristov egalisieren konnte (23.). Nach der Roten Karte für Facundo Quiroga mussten die Wölfe über eine Stunde lang mit nur zehn Mann auskommen.
Was der eine Zähler im Endspurt um den Klassenerhalt wirklich wert ist, wird sich bereits am Sonntag zeigen. Dann tritt mit dem 1. FC Kaiserslautern der ärgste Verfolger der Grün-Weißen beim 1. FC Nürnberg an. Sollte der Club gewinnen, hätten die seit sieben Spielen sieglosen Wölfe ihr Polster auf die Roten Teufel zumindest um einen Punkt ausgebaut und als 15. insgesamt drei Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Derweil hat der Tabellen-Dritte Werder Bremen nach drei Zu-Null-Siegen in Folge mit dem 1:1 wertvollen Boden im Kampf um einen direkten Champions-League-Platz verloren. Der Rückstand auf den Zweiten Hamburg (2:0 in Duisburg) beträgt jetzt fünf Punkte.
Neu formierte Viererkette nicht im Bilde
Klaus Augenthaler stellte hinten von Dreier- auf Viererkette um und nahm Pablo Thiam für Außenverteidiger Alex aus seiner Anfangsformation. Im Mittelfeld besetzten Juan Menseguez die linke und Miroslav Karhan die rechte Seite der Außenpositionen. Hans Sarpei als Bewacher von Johan Micoud in der Defensive und Marian Hristov als Spielmacher in der Offensive komplettierten die Raute. Im Sturm erhielt Steve Marlet erstmals in der Rückrunde das Vertrauen von Beginn an und damit den Vorzug gegenüber Rick Hoogendorp. Bremen begann wie beim 3:0-Sieg gegen Bayern München.
Sechs Minuten waren gespielt, als die Gäste mit ihrem ersten Angriff zum Torerfolg kamen. Nach einem langen Ball von Tim Borowski verlor Linksverteidiger Peter Van der Heyden das Kopfballduell gegen Miroslav Klose, Quiroga griff nicht ein und wieder Van der Heyden konnte nicht verhindern, dass der Ball zu Valdez gelangte. Weil auch Sarpei den Paraguayer nicht mehr entscheidend stören konnte, hob Valdez die Kugel aus wenigen Metern über VfL-Torwart Simon Jentzsch zum Wolfsburger Rückstand ins Netz (6.).
Verletzung, Ausgleich, Rote Karte
Die Wölfe erarbeiteten sich trotz des frühen Schocks erste Chancen. Mike, zunächst aus fünf Metern (9.), dann nach schöner Vorarbeit seines agilen Sturmpartners Steve Marlet (12.), verpasste zweimal, den Ausgleich per Kopf zu erzielen. Kurz danach folgte die nächste Hiobsbotschaft: Sarpei, der von Micoud einen Schlag aufs Knie erhalten hatte, musste ausgewechselt werden. Tom van der Leegte ersetzte den ghanaischen Nationalspieler (18.).
Wenig später durften die Wölfe endlich auch mal jubeln. Nach einer Ecke von Miroslav Karhan sprangen mit Marlet und Hristov gleich zwei Wolfsburger in die Flanke. Der Bulgare setzte sich im internen Duell durch und beförderte den Ball im Tiefflug per Kopf knapp hinter die Linie. Schnoors Nachschuss, der ebenfalls im Gehäuse landete, war da nur noch Makulatur (23.). Die Freude über das 1:1 verging den Wölfe-Fans aber abrupt. Grund war die Rote Karte für Jubilar Facundo Quiroga (50. Bundesligaspiel), der im Zweikampf mit Miroslav Klose auf der rechten Abwehrseite zu spät gekommen war und den deutschen Nationalstürmer mit einer Grätsche zu Fall brachte. Schiedsrichter Dr. Helmut Fleischer sorgte mit seiner zu harten Entscheidung für entsetzte Gesichter in der VOLKSWAGEN ARENA (26.).
Bremen kommt druckvoll aus der Kabine
Doch Zeit, um durchzuschnaufen blieb nicht. Denn nur kurze Zeit später verschenkten Hristov und Mike ihre Freiheiten im gegnerischen Sechzehner (30.). Auf der anderen Seite prüfte Patrick Owomoyela Jentzsch mit einem Flachschuss (39.). Die Wölfe hielten nach dem Feldverweis noch mehr zusammen und erkämpften sich zur Pause ein Remis. Nur im Aufbau- und Kombinationsspiel waren die Grün-Weißen zu behäbig und auch die Passgenauigkeit ließ einige Wünsche offen.
Ohne personelle Veränderungen ging's für beide Mannschaften in die zweite Halbzeit, in der die Gäste von Beginn an aufs Gaspedal drückten. Zunächst scheiterte Valdez (51.), dann verzog Micoud (56.). Die Wolfsburger Defensive geriet ein ums andere Mal in Bedrängnis und konnte sich nur vereinzelt durch Konter befreien. Hanke versuchte es mit einem Linksschuss (52.).
Franz verstärkt Defensive, Mike vergibt Möglichkeiten
Nach 60 Minuten verließ der ausgepumpte Torschütze Hristov den Rasen, für ihn kam Maik Franz. Der Abwehrspieler verstärkte die dezimierte Abwehr und hatte gleich viel zu tun: Daniel Jensen, ebenfalls kurz zuvor eingewechselt, löste sich von gleich drei Wolfsburgern und setzte das Leder nahe der Strafraumgrenze an den Außenpfosten (63.).
Auf der Gegenseite verschätzte sich Werder-Keeper Tim Wiese bei einem Freistoß, doch Mike konnte den Patzer nicht ausnutzen (69.). Die Hausherren übten nun ihrerseits Druck aus, eine mögliche Führung durch Hanke (71.) blieb ihnen aber verwehrt. Während Bremen seinen Kraft raubenden Offensivbemühungen Mitte der zweiten 45 Minuten Tribut zollen musste, sahen die Gastgeber ihre Chance auf einen dreifachen Punktgewinn. Torchancen blieben dennoch auf beiden Seiten Mangelware.
Kampf und Leidenschaft nun auch in Bielefeld gefragt
Bis zur 79. Minute. Ivan Klasnic, für Klose hereingebrachter Werder-Angreifer, nahm einen langen Ball an, legte sich die Kugel im Strafraum auf den stärkeren linken Fuß und versuchte es mit einem Fernschuss. Der Ball rauschte nur Zentimeter am Wölfe-Tor vorbei (79.). Ansonsten aber stand die VfL-Abwehr dank der Hereinnahme von Franz nun stabiler, Bremen kam kaum mehr richtig ins Rollen. In der Nachspielzeit zwang Hanke Wiese mit einem Freistoß noch einmal zu einer Faustabwehr (90.), es war die letzte Aktion in einer rassigen Partie. Mit Einsatz, Leidenschaft und vielleicht ein bisschen mehr Glück im Abschluss sollte auch im nächsten Punktspiel bei Arminia Bielefeld am kommenden Samstag (22.04.06) der ein oder andere Zähler drin sein.
Das Spiel im Stenogramm:
VfL Wolfsburg: Jentzsch - Alex, Quiroga, Schnoor, Van der Heyden - Sarpei (18. van der Leegte) - Karhan, Menseguez (84. Lamprecht) - Hristov (60. Franz) - Hanke, Marlet
Werder Bremen: Wiese - Pasanen (85. Andreasen), Fahrenhorst, Naldo, Schulz - Vranjes - Owomoyela (62. Jensen), Borowski - Micoud - Klose (66. Klasnic), Valdez
Tore: 0:1 Valdez (6.), 1:1 Hristov (23.)
Zuschauer: 27.996
Schiedsrichter: Dr. Fleischer
Gelbe Karten: Lamprecht/Valdez, Fahrenhorst, Andeasen
Gelb-Rote Karten: -/-
Rote Karten: Quiroga (26., grobes Foulspiel)/-
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