Wolfsburg - Riesen Jubel und Erleichterung an der Aller! Dank eines 2:2 (0:1)-Unentschiedens am Samstag (13.05.06) gegen den 1. FC Kaiserslautern ist der VfL auch in der kommenden Saison in der Bundesliga vertreten. "Matchwinner" für die Wölfe in einer dramatischen Partie war der eingewechselte Cedrick Makiadi.
Zunächst war dem Youngster in der 66. Minute der 1:1-Ausgleich gelungen, ehe er keine 180 Sekunden später Diego Klimowicz den 2:1-Führungstreffer mustergültig auflegte. Klimos zwölftes Saisontor - und sein allerwichtigstes für den VfL! Denn dem Lauterer Marcel Ziemer gelang vor 30.000 Zuschauern in der ausverkauften VOLKSWAGEN ARENA noch der Treffer zum 2:2 (86.).
Danach hatten die VfL-Fans noch einige bange Minuten zu überstehen, aber am Ende brachten ihre Lieblinge das Unentschieden über die Runden und sicherten so mit einer Punktlandung genau den einen, für den Klassenerhalt noch fehlenden Zähler. Sieben Siege, 14 Niederlagen sowie 13 Remis - mit insgesamt 34 Punkten beenden die Wölfe die Saison auf einem für sie enttäuschenden 15. Tabellenplatz. Zum Schluss überwiegt jedoch die Freude über den Erstligaverbleib, der Kaiserslautern verwehrt blieb. Die Roten Teufel, die sich nur mit einem Sieg hätten retten können, müssen als 16. und mit nur einem Zähler weniger als der VfL den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Nach 1996 der zweite Abstieg für das Gründungsmitglied der Bundesliga.
Tolle Anfangsphase
Klaus Augenthaler vertraute mit einer Ausnahme derselben Anfangsformation wie beim 1:2 in Stuttgart. Nach abgesessener Gelb-Sperre kehrte lediglich Mittelfeldabräumer Tom van der Leegte ins Team zurück. Für ihn musste zum ersten Mal in der Rückrunde Miroslav Karhan weichen. Mike blieb zunächst ebenfalls nur auf der Bank, weil Rick Hoogendorp den Vorzug im Sturm erhalten hatte. Beim FCK ersetzte Marcelo Pletsch in der Innenverteidigung Fabian Schönheim, der, von der Aufholjagd in den letzten Wochen gezeichnet, passen musste.
Vor großartiger Kulisse legten die Wölfe gleich einen prima Start hin. Einen Freistoß von Stefan Schnoor beförderte Maik Franz per Kopf in die Strafraummitte, wo Marian Hristov vor seinem Gegenspieler an den Ball kam, diesen aber mit dem Fuß aus drei Metern über das Gehäuse lenkte (3.). Zwei Minuten später vergab Schnoor die zweite Chance. Der Wolfsburger Abwehrchef nahm das Heft in die Hand und schaltete sich nicht nur bei Standardsituationen vorne ein. In der elften Minute hätte eine seiner Flanken fast zum Torerfolg geführt, doch Hristov köpfte über die Latte. Nach einer schönen Ablage von Klimowicz versuchte sich auch Hoogendorp - sein Schuss an der Strafraumgrenze wurde allerdings abgeblockt (12.). Von den Gästen war in der Anfangsviertelstunde fast nichts zu sehen, die seltenen Angriffsbemühungen blieben äußerst harmlos.
Der Schock durch Altintop
Die Wölfe blieben am Drücker und erspielten sich weitere Chancen. Hoogendorp probierte es erst mit einem Fernschuss (17.), dann per Kopf (19.). Den erlösenden Führungstreffer aber schossen zur Überraschung aller die Lauterer. Halil Altintop war in einen Zweikampf mit Schnoor verwickelt, schüttelte den Wölfe-Routinier ab und passte dann in den Strafraum zu Daniel Halfar. Der Youngster gab die Kugel zurück zu Altintop, der sich von Facundo Quiroga gelöst hatte. Aus wenigen Metern schob der Türke zum bitteren 0:1 aus Wolfsburger Sicht ein (20.). Es war der erste und zugleich einzige gefährliche Angriff der Pfälzer in der ersten Hälfte.
In der Folgezeit prägten vor allem Nickligkeiten und Gelbe Karten die Partie. Es wurde hektischer, das angeheizte Publikum bekam nur noch wenige Torraumszenen präsentiert. Den Grün-Weißen war der Schock anzumerken, den der Rückstand ausgelöst hatte. Die Kombinationen waren nicht mehr so flüssig, plötzlich herrschte Verunsicherung. Erst zehn Minuten vor dem Halbzeitpfiff fingen sich Augenthalers Schützlinge und setzten sich gegen die nun dominierenden Gäste zur Wehr. Klimowicz scheiterte an Fromlowitz (36.). Auch Hoogendorp konnte den jungen Teufelskerl im FCK-Gehäuse nicht überwinden (38.). Und auch van der Leegte zielte volley knapp vorbei (44.). So blieb es zur Pause beim 0:1.
"Auge" wechselt Makiadi ein - und der trifft!
Mit Wut im Bauch und Mittelfeldmann Makiadi kam Wolfsburg aus den Kabinen. Der Deutsch-Kongolese fügte sich schon eine Minute nach seiner Einwechslung für Hans Sarpei (46.) gut ein und entwickelte den Druck, den sich "Auge" vom Techniker erhofft hatte. Doch der Coach setzte noch einen drauf. Etwa zehn Minuten später zog er seinen zweiten Joker: Mike. Rick Hoogendorp, der viele gute Aktionen hatte, verließ das Feld. Während Makiadi sich auf seiner linken Seite zunächst an Ingo Hertzsch die Zähne ausbiss, machte Klimowicz mit einem Kopfball auf sich aufmerksam - knapp vorbei (60.).
Auf der anderen Seite gestatteten die Löcher in der VfL-Defensive Altintop, nach Vorlage von Halfar, abzuziehen - zum Glück ebenfalls daneben (62.). Den Wolfsburgern war der enorme Druck, der auf ihnen lastete, anzumerken. Daher kam der Ausgleich Mitte der zweiten Hälfte genau recht. Nach einem Einwurf von Juan Menseguez hatte Mike sein Kopfballduell gegen Pletsch gewonnen, "Klimo" verpasste und Makiadi kam aus dem Hintergrund herangerauscht. Aus kurzer Distanz drückte er das Leder über die Linie (66.) - 1:1! Makiadis erstes Saison- und Bundesligator wiederbelebte die Hoffnungen auf den Klassenerhalt.
Klimowicz erhöht auf 2:1
Der Treffer hatte den Hausherren mächtig Auftrieb gegeben. Und es sollte noch besser kommen. Keine drei Minuten später erhöhte Klimowicz auf 2:1. Bei einem Konter hatte Mike Makiadi "geschickt", der sich im Laufduell mit Hertzsch durchsetzte. Im Strafraum wartete der 22-Jährige lange, bewies dann die Übersicht eines "alten Hasen" und bediente mit einem mustergültigen Pass den mitgelaufenen Klimowicz. Der Angreifer machte sich ganz lang und grätschte den Ball im Fallen mit links ins Tor - die Feierlichkeiten bei den Wölfe-Fans kannten nach der Führung keine Grenzen.
Bei den Profis auf dem Rasen dagegen schon. Denn nur kurze Zeit später (72.) hätte Mike alles klar machen können. Der Nationalspieler scheiterte an Fromlowitz, der seine Mannschaft in dieser Phase mit zahlreichen Paraden im Spiel hielt. Während Wolfgang Wolf mit der Hereinnahme von Ziemer und Mihail Mikic letzte Reserven aktivierte, versuchte Augenthalers Truppe den Vorsprung über die Zeit zu retten. Ab und zu ließen einige VfL-Akteure dabei ihre technischen Fertigkeiten aufblitzen - allein: an dem nur wenig beruhigenden und auf äußerst wackligen Beinen stehenden Vorsprung änderte sich nichts.
Ziemer macht's noch einmal spannend
Denn gerettet war Wolfsburg noch lange nicht. Auch weil Klimowicz und Co. weitere Großchancen ausließen. Fromlowitz verteitelte sowohl die Gelegenheit des Argentiniers (83.) als auch die von Mike (84.). Vier Minuten vor dem Ende rächten sich die Unzulänglichkeiten im Abschluss. Peter Van der Heyden hatte bei einer Flanke von Axel Bellinghausen nicht aufgepasst und Ziemer köpfen lassen. Der Ball flog ins Eck, Simon Jentzsch war machtlos (88.).
Das Zittern für alle Wölfe-Anhänger begann von Neuem. Mit Entlastungsangriffen versuchten sich die Hausherren in den letzten Sekunden zu befreien, Quiroga setzte einen Freistoß übers Tor (88.). Die Roten Teufel mobilisierten die letzten Kräfte. Trainer Wolf echauffierte sich an der Seitenlinie so sehr, dass ihn Wolfgang Stark auf die Tribüne verbannte (89.). Zwei Minuten ließ der Schiedsrichter nachspielen, ein Treffer fiel nicht mehr. Der Rest war grün-weißer Jubel.
Das Spiel im Stenogramm:
VfL Wolfsburg: Jentzsch - Franz, Quiroga, Schnoor, Van der Heyden - van der Leegte - Menseguez, Sarpei (46. Makiadi) - Hristov (78. Karhan) - Hoogendorp (56. Hanke), Klimowicz
1. FC Kaiserslautern: Fromlowitz - Hertzsch, Béda, Pletsch (73. Ziemer) - Lembi, Engelhardt - Reinert (52. Bohl), Skela, Bellinghausen - Halfar (74. Mikic), Altintop
Tore: 0:1 Altintop (20.), 1:1 Makiadi (66.), 2:1 Klimowicz (69.), 2:2 Ziemer (86.)
Zuschauer: 30.000 (ausverk.)
Schiedsrichter: Stark
Gelbe Karten: Hristov, Schnoor, Franz, Makiadi, Klimowicz/Lembi, Halfar, Béda, Hertzsch
Gelb-Rote Karten: -/-
Rote Karten: -/-
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