Am Sonntag (04.12.05) verloren die Schützlinge von Trainer Holger Fach beim 1. FSV Mainz 05 mit 1:5 (1:3). Nachdem Diego Klimowicz die frühe Führung der Hausherren durch Michael Thurks Elfmetertreffer praktisch im Gegenzug mit seinem achten Saisontor hatte ausgleichen können (3.), erwischte es die Wölfe knüppeldick. Benjamin Auer (36.) und Petr Ruman (45.) noch vor der Halbzeitpause sowie danach Mohamed Zidan (51.) und erneut Thurk (77.) bescherten mit ihren Treffern den Wölfen einen ganz bitteren Abend.
Nach dem 1:6 in Bremen war es für die Grün-Weißen, die zu allem Überfluss ab der 61. Minute nach der Gelb-Roten Karte für Levan Tskitishvili auch noch in Unterzahl agieren mussten, bereits die zweite hohe Auswärtsschlappe in Folge. Besonders bitter: Inzwischen wartet der VfL nun schon seit sechs Spielen auf einen "Dreier". Kein Wunder, dass die Fach-Elf in der Tabelle auf Platz zehn abrutschte. Mainz dagegen verbesserte sich mit seinem höchsten Saisonsieg um einen Rang und liegt nun auf Position 13 - nur drei Punkte hinter den Wölfen.
Spektakulärer Beginn
Holger Fach brachte mit Christopher Lamprecht für Hans Sarpei und dem nach seinem Mittelfußbruch wieder einsatzbereiten Karsten Fischer für Miroslav Karhan gleich zwei frische Kräfte. Jürgen Klopp musste den Gelb-gesperrten Milorad Pekovic ersetzen und schickte dafür Fabian Gerber ins Rennen. Die Partie vor 19.100 Zuschauern am Bruchweg begann spektakulär. Nach einem Foul von VfL-Innenverteidiger Facundo Quiroga an FSV-Stürmer Benjamin Auer entschied Schiedsrichter Dr. Franz-Xaver Wack nach Rücksprache mit seinem Assistenten auf Strafstoß. Eine sehr umstrittene Entscheidung, denn das Vergehen fand wohl vor der Strafraumgrenze statt. Michael Thurk verwandelte den anschließenden Elfmeter sicher in die linke untere Ecke. Simon Jentzsch war zwar dorthin unterwegs, erreichte die Kugel aber nicht (3.).
Während die Hausherren noch jubelten, fiel auf der Gegenseite gleich der nächste Treffer: Juan Menseguez hatte Steve Marlet auf die Reise geschickt, als Nikolce Noveski den Franzosen mit dem Rücken abblocken wollte, dabei aber unglücklich mit seinem Torhüter Dimo Wache zusammenprallte. Diego Klimowicz erkannte die Situation am schnellsten und schob die Kugel zum 1:1-Ausgleichstreffer ein (3.). Wache lag nach der Aktion einige Minuten benommen auf dem Rasen, konnte aber weiterspielen.
Kampf, Härte und das 1:2
Die Gastgeber zeigten sich durch den Ausgleich geschockt und fanden erst langsam wieder zu sich, die Gäste dagegen überzeugten durch Zweikampfstärke und Präsenz. Vor allem Kapitän Pablo Thiam war anzumerken, dass er gewillt war, voranzuschreiten und ein gutes Beispiel abzugeben. Der Mittelfeldspieler bereitete die nächste Klimowicz-Chance vor, leider ohne Glück im Abschluss (14.). In der Folgezeit fand Mainz aber über Kampf und Härte in die Partie zurück und hatte durch Antonio da Silva eine hochkarätige Möglichkeit. Doch der Freistoß des Brasilianers aus 18 Metern zentraler Position landete am rechten Außenpfosten (20.). Auch Michael Thurk verfehlte glücklicherweise eine Viertelstunde später mit seinem Drehschuss im Strafraum das Wölfe-Tor (35.).
Eine Minute darauf war es aber geschehen: Nach einem Fehlpass von Thiam eroberte Manuel Friedrich den Ball und leitete ihn zu Thurk weiter. Dessen gekonnter Flügelwechsel auf die rechte Seite erreichte Benjamin Auer, der in den Strafraum eindrang und von Quiroga unbedrängt per Flachschuss in den langen Winkel das 2:1 erzielte - Jentzsch war erneut machtlos (36.). Die Mainzer belohnten sich mit der Führung für aggressives und laufintensives Spiel auf glitschigem Boden.
Mainz dominiert und trifft weiter
Nachdem Quiroga wegen einer ebenso unnötigen wie gefährlichen Grätsche die Gelbe Karte gesehen hatte, wechselte Fach ihn vorsichtshalber vorzeitig aus. Für den indisponierten Argentinier kam Bojan Neziri. An der Mainzer Überlegenheit änderte sich nichts. Zweimal hätte Auer das Ergebnis höher schrauben können, scheiterte aber (45.). Zielstrebiger war da Petr Ruman, der noch vor dem Pausenpfiff auf 3:1 erhöhte. Da Silva hatte bei einem Freistoß aus knapp 25 Metern nicht etwa draufgehalten, sondern den im Strafraum lauernden Tschechen per Flachpass bedient. Ruman ließ sich die Chance nicht nehmen und bezwang Jentzsch von halblinks mit einem Rechtschuss ins lange Eck. Der Keeper konnte einem schon fast leid tun, denn unmittelbar bevor er an die Kugel herangekommen wäre, versprang das Leder und landete als tückischer Aufsetzer im Netz. 1:3 der Pausenstand aus Wolfsburger Sicht.
Keine Minute war in der zweiten Hälfte absolviert, als Mainz wieder im Angriff war. Diesmal hatte der überragende da Silva seinen Mannschaftskollegen Auer bedient, der per Brust auf Zidan weiterleitete. Dessen Schuss ging nur knapp links am VfL-Gehäuse vorbei (46.). Fünf Zeigerumdrehungen danach machte es der Ägypter besser. Zunächst nutzte er Peter Van der Heyden unfreiwillig als Doppelpasspartner, dann zog er in den Strafraum und bugsierte den Ball am diesmal unglücklich aussehenden Jentzsch vorbei ins Tor zum 4:1 (51.). Drei Minuten später konnte sich Jentzsch aber wieder auszeichnen, als er einen Direktschuss von Auer mit einer klasse Parade zur Seite lenkte. Auf der Gegenseite bediente Juan Menseguez, der zu den wenigen Lichtblicken im Wolfsburger Team zählte, seinen Landsmann Klimowicz, der den Ball an Wache, aber auch an dessen Kasten vorbeilegte (54.). Nichtsdestotrotz: Die Rheinhessen rannten weiter an und erarbeiteten sich durch Auer die nächste Möglichkeit (56.).
Gelb-Rote Karte und Gegentreffer Nummer fünf
Nach dem 1000. Platzverweis in der Bundesliga-Historie musste die Fach-Elf zu allem Überfluss dann auch noch mit neun Feldspielern auskommen. Levan Tskitishvili hatte den Abseitspfiff von Wack überhört und aufs Tor geschossen. Wack zeigte dem bereits verwarnten Georgier die Gelb-Rote Karte - eine harte, aber regelkonforme Entscheidung des Zahnarztes aus Biberbach (61.). Fach reagierte und ersetzte Steve Marlet durch Hans Sarpei (64.). Die Hausherren ließen geschickt Ball und Gegner laufen und kamen zu weiteren Torchancen. Die nächste führte zum deprimierenden 1:5 aus Wölfe-Sicht. Wieder hatte da Silva die Vorarbeit geleistet. Thurk nahm den langen, präzisen Pass des Brasilianers auf und lief rechts im Strafraum am herausgeeilten Jentzsch vorbei, um den Ball im nächsten Schritt aus spitzem Winkel ins verwaiste Tor zu schieben (77.). Nach einem Heber hatte Zidan sogar das 6:1 auf dem Fuß, traf aber nur das Tornetz (81.). Klimowicz versuchte sich kurz vor Schluss noch zweimal, ein weiterer Treffer war dem erneut torgefährlichsten Grün-Weißen aber nicht vergönnt (84., 87.).
Bis zum 1:2-Rückstand waren die Wölfe ebenbürtig, bis sie sich durch viele individuelle Fehler quasi selbst auf die Verliererstraße brachten. Nächsten Samstag (10.12.05, 15.30 Uhr) empfängt der VfL in der VOLKSWAGEN ARENA den VfB Stuttgart. Die Mannschaft von Trainer Giovanni Trapattoni hat in dieser Spielzeit noch nicht so recht in Tritt gefunden und befindet sich mit 19 Zählern ebenfalls im Mittelfeld der Tabelle. Im Heimspiel der vergangenen Saison gegen die Schwaben gelang den Wölfen ein überzeugender 3:0-Sieg. Vielleicht können die Schützlinge von Holger Fach daran in sechs Tagen wieder anknüpfen. Jedenfalls wäre ein Erfolgserlebnis für die Grün-Weißen und ihre Fans bitter nötig.
Das Spiel im Stenogramm:
1. FSV Mainz 05: Wache - Demirtas, Friedrich, Noveski, Weigelt - Gerber (69. Geißler), da Silva, Ruman - Zidan, Thurk (80. Addo) - Auer (77. Romulo)
VfL Wolfsburg: Jentzsch - Lamprecht, Franz, Quiroga (45. Neziri), Van der Heyden - Thiam - Fischer (56. Karhan), Tskitishvili - Menseguez - Klimowicz, Marlet (64. Sarpei)
Tore: 1:0 Thurk (3., Foulelfmeter), 1:1 Klimowicz (3.), 2:1 Auer (36.), 3:1 Ruman (45.), 4:1 Zidan (51.), 5:1 Thurk (77.)
Zuschauer: 19.100
Schiedsrichter: Dr. Wack
Gelbe Karten: Noveski/Van der Heyden, Quiroga, Lamprecht, Sarpei, Klimowicz
Gelb-Rote Karten: -/Tskitishvili (61.)
Rote Karten: -/-
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