News vom 21.03.05
Schalke: Mike Hanke will den Durchbruch schaffen
"Es wird Zeit für mich"


Am Freitag wird er es wieder tun. Diesmal in England. Er wird die breite Brust rausstrecken, wild gestikulieren, Kommandos geben und auch mal den Ellbogen ausfahren. Mike Hanke, 21, freut sich seit Tagen auf das EM-Qualifikationsspiel der U 21 in England, "vor allem, weil ich als Führungsspieler nach England fahre, als einer, der die anderen mitreißen kann. Wir haben eine Riesenmannschaft und können dort gewinnen".

Eine Riesenmannschaft. Ein paar Tage später nur werden die Riesen schon wieder viel größer sein. So groß, dass Hanke eher mal wieder die Brust einziehen und Kommandos befolgen muss. Und mit den Ellbogen meistens nur den streift, der auf der Reservebank zufällig neben ihm sitzt. Dann ist er wieder auf Schalke, dann ist er wieder der Mann mit der nichts sagenden "26" auf dem Rücken, über den alle sagen, er sei ein Riesentalent. Der manchmal für einen Sand, Ailton oder Asamoah auflaufen darf vor mehr als 60.000 Fußballverrückten, und der oft so gut mitspielte, dass die Fans seinen Namen inzwischen selbst dann lauthals bejubeln, wenn er vor Spielen nur als Ersatzmann angekündigt wird. Mike Hanke - wahrlich ein Wanderer zwischen den Welten.

Eine Achterbahn der Gefühle
Diese schwierige Beziehung zwischen einer der größten deutschen Sturmhoffnungen und dem Revierklub geht nun schon ins dritte Jahr. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Hankes Europacup-Quote von neun Toren in 13 Spielen zeugt von Abenden voller Glückseligkeit; die ernüchternde Bilanz von fünf Treffern in 50 Bundesligaeinsätzen steht für Alltags-Tristesse, zumal er selten öfter als zehn Minuten mitwirken durfte.

Trotzdem verlängerte Hanke im Vorjahr bis 2007, und das nicht etwa wegen der Fußball-Romantik, mit seinem langjährigen Idol Ebbe Sand in einem Team zu stehen - zumal Kritiker meinen, gerade der auf Schalke unumstrittene Sand würde das aufstrebende Talent hemmen. Hanke ist sicher: "Es war richtig, dass ich geblieben bin. Das zeigt die jüngste Entwicklung."

Die jüngste Entwicklung - das ist fast schon ein feststehender Begriff, wenn es im Jahr 2005 auf Schalke um Hanke geht. In der Rückrunde traf er gegen Wolfsburg (3:0) und gegen Hannover (1:0), schoss Schalke zudem mit zwei Toren beim 3:1-Sieg gegen die 96er ins Pokalhalbfinale.

Trainer Ralf Rangnick freut sich, dass sich da einer "gegenüber enttäuschenden Hinrundeneinsätzen verbessert hat" und "vielleicht die nächste Stufe seiner Entwicklung nimmt". Ein Eindruck, den Hanke bestätigt: "Ich habe aus meinen ersten beiden Profijahren und aus der Hinrunde gelernt. Da gab es zu viel Selbstzufriedenheit bei mir, da dachte ich, dass ich nach Toren weniger machen muss."

Sportstudio statt Startelf
Jetzt arbeite er härter, um den nächsten Schritt zu schaffen. Ein Lernprozess, wie er sagt. Die Oberen im Verein haben das registriert. "Mike ist nun wahnsinnig ehrgeizig", lobt Teammanager Andreas Müller, "es ist für ihn nicht einfach, sich gegen einen Sand oder Ailton zu behaupten. Aber von denen lernt er täglich, an dieser Aufgabe wächst er erkennbar."

Doch die Geschichte bleibt schwierig. Nach den Toren gegen Hannover durfte der Jungstar zwar ins Sportstudio, aber nicht mehr in die Schalker Startelf. "Deprimierend", nennt das Hanke, "meine Leistungen stimmten. Es wird Zeit für mich, dass ich ans Spielen komme." Immerhin: Wegen seiner verbesserten Leistungen wurden alle Überlegungen gebremst, zur neuen Saison einen weiteren Topstürmer zu verpflichten. "Mike ist näher dran als je zuvor", sagt Müller, "wir überlegen uns, schon ab Sommer voll auf ihn zu setzen."

Hanke freut die gestiegene Wertschätzung, dennoch will er bis Saisonende warten, um seine Chancen einschätzen zu können, denn: "Durch das Training mit den Stars komme ich zwar schrittweise voran. Lasse ich mich ausleihen, könnte ich durch regelmäßige Einsätze aber vielleicht einen Riesenschritt machen." Müller hält dagegen: "Es sollte nicht sein Ziel sein, um Platz 14 bis 18 zu spielen. Schalke tut ihm gut. So einen Spieler darf man nicht ausleihen - man muss sehen, wie man ihn einbaut."

Für U-21-Trainer Dieter Eilts bringt Hanke alles mit, was man dazu braucht: "Er ist ein sehr zweikampfstarker Stürmer, der gerne dahin geht, wo es wehtut. Er hat auch den Mut, Risiko zu gehen, also mal ein Dribbling zu suchen oder direkt abzuziehen." Das soll er in England wieder beweisen - ein weiterer Schritt auf seinem schwierigen Weg, ein echter Riese zu werden. Jean-Julien Beer

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