News vom 18.11.03

Schalke: Interview mit Mike Hanke
"Ich habe mich hängen lassen" Sein Talent ist unbestritten. Dennoch gab es zwischen Mike Hanke und Trainer Jupp Heynckers einige Probleme. Nun ist der U-21-Nationalstürmer auf dem Sprung zum Stammspieler.
kicker: Bevor er Sie persönlich kannte, schwärmte Jupp Heynckes von Ihnen. Zwei Monate später sagte der Trainer, von Ihnen sei er am meisten enttäuscht. Was geschah zwischen diesen beiden Aussagen, Herr Hanke?
Hanke: Ich habe mich hängen lassen, weil ich dachte, es wird auch ohne Arbeit irgendwie gehen.
kicker: Hing das auch mit der Verpflichtung von Edi Glieder zusammen, eines weiteren Angreifers?
Hanke: Ich habe mir damals schon meine Gedanken gemacht. Nichts gegen den Edi - aber ich war natürlich etwas frustriert und verärgert, dass plötzlich ein 34-Jähriger kam. Da kamen Fragen hoch. Haben die mich vergessen? Oder übersehen?
kicker: Wurden Sie damals im Verein unterschätzt, als man Sie nur als Stürmer Nummer vier sah?
Hanke: Nein. Ich denke nicht, dass man mich nur als vierten Stürmer betrachtete. Zumindest hat das niemand gesagt. Ich habe anfangs einfach nicht abgerufen, was ich kann. Ich denke, dass die Verantwortlichen wussten, was ich draufhabe. Man konnte es ja auch in den Spielen der U 21 sehen.
kicker: Blickten Sie manchmal auf die Kollegen Lauth und Kuranyi, die gefeiert wurden, während Ihr Name im Lokalsport stand?
Hanke: Klar - aber ohne Neid. Ich wusste: Meine Zeit wird kommen.
kicker: Der Durchbruch gelang erst nach einer Unterredung mit Heynckes. Warum suchten Sie als damals 19-Jähriger dieses Gespräch?
Hanke: Ich wollte meine Perspektive erfahren, auch über diese Saison hinaus. Daraus ergab sich ein Gespräch, in dem wir offen unsere Meinung sagten. Er klagte über mangelndes Engagement. Ich sagte, dass ich kein Vertrauen spüre.
kicker: Wurde auch darüber gesprochen, dass Jupp Heynckes Ihnen öffentlich "eher weniger Talent" bescheinigte?
Hanke: Darüber sprachen wir auch. Er meinte es nicht so, wie er es sagte. Wer kein Talent hat, bekommt schließlich keinen Profi-Vertrag. Heynckes meinte, dass ich mir mehr erarbeiten muss als viele andere junge Spieler. Letztlich gilt: Bei ihm spielt, wer Leistung bringt. Das sehe ich ja jetzt. Ich will lernen, deshalb höre ich auf ihn.
kicker: Und jetzt sind Sie Schalkes Stürmer Nummer eins?
Hanke: Ich bin auf einem guten Weg, Stammspieler zu werden und froh, dass es zuletzt so geklappt hat. Aber ich muss noch an meinen Defiziten arbeiten, etwa an Koordination und Torgefahr.
kicker: Stimmt es, dass Sie früher auf Schalke im Fanblock standen?
Hanke: Ja, ich hatte vor zweieinhalb Jahren eine Dauerkarte für die Nordkurve. Seit meinem Profivertrag stehe ich natürlich unten auf dem Rasen.
kicker: Damals wurde Ebbe Sand Torschützenkönig. Ist er Ihr Vorbild?
Hanke: chon, zumal wir ähnliche Stürmertypen sind. Trotzdem harmonieren wir gut, weil wir viel miteinander sprechen, auch über die Laufwege. Er gibt mir viele Tipps, wie ich mich verhalten soll.
kicker: Nun treffen Sie - und er nicht mehr. Eine unangenehme Situation?
Hanke: Bei mir ist der Knoten geplatzt. Ich hoffe, bei Ebbe nun auch. Wenn er freisteht, lege ich ihm einen auf. Er macht das auch. Keiner von uns ist eigensinnig.
kicker: Sie schießen nicht nur Tore, Sie teilen auch in Zweikämpfen mächtig aus. Das erwartet man nicht unbedingt von einem Bundesliga-Frischling.
Hanke: Man muss sich gegen die Etablierten durchsetzen. Vor dem Bayern-Spiel etwa sagte mir Ebbe Sand, dass der Robert Kovac im Luftkampf die Ellbogen einsetzt. Dann bekam der halt von mir auch mal einen mit.
kicker: Nun kommt Ailton nach Schalke, auch Kuranyi und Klose sind Kandidaten. Wird Mike Hanke wieder übersehen?
Hanke: Ich mache mir schon Gedanken über die Situation. Aber jetzt spiele ich, das ist wichtig für meine Entwicklung. Ob das so bleibt, wird man sehen.
kicker: Ihr Vertrag läuft aus, die Gespräche mit Schalke laufen. Was ist entscheidend: Das Geld, das Sportliche oder der Trainer?
Hanke: Der Trainer will mich unbedingt behalten. Das hat er mir gesagt. Der Verein auch. Es geht allein ums Sportliche.
kicker: Wie würden Sie sich die Zukunft wünschen?
Hanke: Ich würde gerne in einer starken Mannschaft spielen, in der ich mir einen Stammplatz erkämpfen und das Maximale erreichen kann. Interview. Jean-Julien Beer
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