
Mit fünf Toren war er bester Torschütze beim VfL in der Hinrunde. Trotzdem muss Mike Hanke um seinen Stammplatz im Wolfsburger Sturm kämpfen: Diego Klimowicz ist zurück. Im Interview spricht der 23-jährige Nationalspieler über den neuen Konkurrenzkampf im Angriff, seinen neuen Kollegen Marcelinho, über die Nationalelf, seine Ziele und erklärt, warum er beim Testspiel in Salzburg (1:0) nicht im Kader stand.
kicker: Herr Hanke, bedeutet 2007 einen Neuanfang nach einem unbefriedigenden Halbjahr?
Mike Hanke (23): Wieso unbefriedigend? Ich bewerte mein Halbjahr nicht so negativ. Bis auf wenige Ausnahmen hatten alle Nationalspieler, die bei der WM dabei waren, Probleme, konstant ihre Leistung zu bringen. Und wenn man bedenkt, dass wir uns in Wolfsburg mit unserem Offensivspiel insgesamt schwer getan haben, sind fünf Tore keine schlechte Quote.
kicker: Im Angriff herrscht durch die Rückkehr von Diego Klimowicz ein großer Konkurrenzkampf. Müssen Sie um Ihren Stammplatz zittern?
Hanke: Überhaupt nicht! Keine Frage, wir haben gute Stürmer. Trotzdem behaupte ich, dass ich genug Klasse besitze, um sagen zu dürfen: Warum sollte ich nicht spielen? Meine fünf Tore waren in der Vorrunde immerhin für 13Punkte gut - von 19, die wir geholt haben.
kicker: Im Moment scheint Trainer Klaus Augenthaler dem Duo Klimowicz und Boakye zu vertrauen.
Hanke: Der Trainer sagt, es herrsche ein ganz normaler Konkurrenzkampf. Das zählt für mich. Wenn er allerdings nicht mehr mit mir plant, dann müssen wir darüber reden. Ich sehe mich nicht im Rückstand gegenüber anderen. Ganz im Gegenteil: Meine Statistik ist die beste der Wolfsburger Angreifer.
kicker: Warum waren Sie beim Test in Salzburg nicht im Kader?
Hanke: In Absprache mit Klaus Augenthaler arbeitete ich individuell an meiner Spritzigkeit und Schnelligkeit. Ich bin überzeugt, dass mir das vor dem Bundesligastart zusätzlichen Schub gibt.
kicker: Gegen Ende der Vorrunde saßen Sie sogar auf der Bank. Wünschen Sie sich mehr Rückendeckung?
Hanke: Noch mal: Ich gehe davon aus, dass es ein offener Konkurrenzkampf ist. Ich habe mit dem Trainer kein Problem.
kicker: Geht es überhaupt mit einem Duo Hanke/Klimowicz oder sind Sie sich als Stürmertypen zu ähnlich?
Hanke: Ich kann mich erinnern, dass im Trainingslager in der vergangenen Saison jeder zufrieden war. Da hieß es: Toll, wie die beiden zusammenspielen. Klimo und ich legten uns gegenseitig die Tore auf und harmonierten gut. Die ganzen Diskussionen kommen immer nach zwei Spielen, in denen man nicht gewinnt. Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht zusammenspielen sollten.
kicker: Das Spiel nach vorne war ein großes Manko in der Vorrunde. Kann Marcelinho in dieser Hinsicht die notwendigen Impulse setzen?
Hanke: Damit rechne ich fest. Er ist ein Spieler, der die Stürmer in Szene setzen und auch selbst mit Einzelaktionen Spiele entscheiden kann. Seine Verpflichtung wird uns sicherlich weiterhelfen.
kicker: Was erhoffen Sie sich noch von Marcelinho?
Hanke: Es ist kein Geheimnis, dass unser Offensivspiel häufig sehr statisch war, sehr einseitig mit vielen langen Bällen. Mit ihm können wir flexibler werden, besser durchkombinieren, er kann den letzten Pass spielen, der uns Stürmern manchmal fehlte. Unsere Offensive ist mit Marcelinho schwerer auszurechnen.
kicker: Was ist für Wolfsburg drin in dieser Saison?
Hanke: Unsere Zielsetzung lautet, einen Platz zwischen Rang sechs und neun zu erreichen. Das ist realistisch. Im DFB-Pokal bietet sich uns eine riesige Chance. Das Finale in Berlin wäre für mich ein Traum. (Wolfsburg empfängt im Viertelfinale Aachen, die Red.)
kicker: Ein Traumjahr ging 2006 für die Nationalmannschaft zu Ende. Mit welchen Erwartungen gehen Sie ins neue Jahr?
Hanke: Die Mannschaft wird nach dem 1:1 auf Zypern eine Reaktion zeigen. So ein Spiel ist immer drin nach einer langen und kräftezehrenden Saison. Deshalb habe ich die ganze Kritik auch nicht verstanden. Da wird mir vieles in Deutschland zu schnell zu negativ betrachtet. Wir werden die nötigen Schritte zur EM-Qualifikation machen.
kicker: Wie sieht Ihre persönliche Marschroute fürs Nationalteam aus?
Hanke: Ich will weiter dabei bleiben. Es kann manchmal schnell gehen, wenn Stürmer einen Lauf haben, Tore schießen und einen großen Schritt in der Entwicklung machen. Es gibt aber auch viele Talente, die nachrücken: Mario Gomez zum Beispiel oder Aaron Hunt. Das sind zwei Spieler mit großem Potenzial.
kicker: Ernst zu nehmende Konkurrenten für Sie?
Hanke: Ich glaube, dass ich mir durch die vergangenen Jahre einen kleinen Bonus erarbeitet habe. Diesen Bonus will ich verteidigen.
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