News vom 20.08.07
Mike Hanke lacht zuletzt


Erst wandelt der 96-Stürmer in Karlsruhe am Rande des Platzverweises, dann entscheidet er mit einem Treffer und einer Vorlage das Spiel
VON REINHARD SOGL


Man hat Mike Hanke schon weniger entspannt erlebt. Beispielsweise vor einer Woche, als er seine Punktspielpremiere im Trikot von Hannover 96 mangels Leistung schon nach 45 Minuten beenden musste. Sechs Tage später stand der Nationalspieler im Kabinengang des Karlsruher Wildparkstadions und konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, als sich direkt neben ihm KSC-Innenverteidiger Maik Franz über die aus dessen Sicht spielentscheidende Szene echauffierte: "Der Schiedsrichter hat mit zu verantworten, dass die Punkte nicht hier geblieben sind. Hannover hat unverdient mit elf Mann weitergespielt." Wenn schon sein Foul an Hanke gelbwürdig gewesen sei, so Franz, hätte sein früherer Wolfsburger Kollege für eine Revancheaktion Rot sehen müssen. Hanke stellte sein Fehlverhalten logischerweise als minderschwer dar und feixte: "Maik hat mir doch versprochen, dass er mich nicht in die Pfanne haut."

Der Torjäger wusste, dass seine mit Gelb sanktionierte Kampfsporteinlage keine nachhaltigen Folgen haben wird. Der unterbliebene Platzverweis hatte welche - für die Gastgeber bei der Heimpremiere nach der Rückkehr ins Oberhaus. Per Kopf glich Hanke in der 55. Minute die durch Franz auf identische Art erzielte Führung (37.) aus, ehe er als Doppelpasspartner von Hanno Balitsch (75.) auch bei dessen Tor zum 2:1-Endstand assistierte. 96-Trainer Dieter Hecking durfte sich für sein Vertrauen belohnt fühlen. "Mike ist immer noch nicht hundertprozentig fit, aber Tor und Vorlage werden ihm wahnsinnig Auftrieb geben", sah Hecking noch viel mehr Potenzial bei seinem 4,5-Millionen-Neuzugang, der beim 0:1 gegen den HSV noch zum größten Verlierer gestempelt worden war.


In diese Rolle schlüpfte am Freitag Michael Mutzel. In den Vorbereitungsspielen und beim 2:0-Sieg des KSC in Nürnberg noch als bessere Hälfte der zusammen mit Godfried Aduobe formierten Doppel-Sechs gelobt, unterliefen dem früheren Frankfurter und Stuttgarter Mittelfeldmann noch weitaus mehr Fehler als seinen ohnehin unter chronischem Ball- und schließlich Kraftverlust leidenden Mitspielern - der fatalste führte zum 1:2. Trotz einer wackligen Hintermannschaft und einer harmlosen Offensive sah KSC-Manager Rolf Dohmen keinen Grund, an der neuen Vorsichtsvariante des Aufsteigers zu zweifeln, der mit Angriffsfußball die zweite Liga dominiert hatte: "Wir dürfen nicht so viele Gegentore bekommen, womöglich zählt ja am Ende die Tordifferenz."

Auch Dieter Hecking sprang seinem Kollegen Edmund Becker bei, dessen neues 4:2:3:1-System nicht ungeteilte Zustimmung findet. "Hurra-Stil wird bestraft. Die Karlsruher werden das System von Woche zu Woche verbessern", sagte Hecking. Seine Mannschaft demonstrierte die Kunst des kontrollierten Balles bei der Lehrstunde für die Becker-Buben ziemlich perfekt, obwohl auch sie einen System-Novizen in ihren Reihen hatten: Mike Hanke. Gegen den HSV abgemeldet, hat es als Einzelspitze beim KSC gereicht. Am Samstag geht's zu den Bayern.


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