Bei Hannover 96 stiehlt Mike Hanke den anderen die Show. Nicht nur seinen Rivalen im Angriff, die bei der Vergabe der Stürmerposition im 4-5-1-System der "Roten" gegen den mit vier Ligatoren bislang treffsichersten Hannoveraner keine Chance haben, sondern selbst seinem Trainer. Dieter Hecking macht die Anweseinheit des Profis für das erhöhte Interesse an der turnusmäßigen Pressekonferenz verantwortlich. Keine Überraschung, steht für diesen am Sonntag eine spezielle Partie an.
Gegen den früheren Arbeitgeber – von "Ex-Kollegen" verbietet es sich zu sprechen angesichts der Personalfluktuation beim VfL - will Hanke seine kleine Negativserie von vier Spielen ohne Tor beenden. Im Mittepunkt stehe aber das Kollektiv. "Mein Ziel ist es, in jedem Spiel ein Tor zu machen. Das ist auch mein Job als Stürmer. In erster Linie zählt aber die Mannschaft", sagt der 23-Jährige.
Hanke: Drucksituation in Wolfsburg wichtige Erfahrung
Eine besondere Paarung sei das Niedersachsen-Derby für ihn schon, "ich schiebe aber beiseite, dass es gegen den Ex-Klub geht". Zwei Jahre stand Hanke bei den "Wölfen" unter Vertrag, erzielte in 53 Bundesligaspielen 16 Tore - drei davon in den vier Vergleichen mit Hannover 96. Das Wichtigste, was er aus der Autostadt mitgenommen habe, sei "die andere Drucksituation, die mich weiter bringt". Hanke: "Wir haben schließlich zwei Jahre lang gegen den Abstieg gespielt."
Traf er für seinen neuen Arbeitgeber, punktete Hannover bisher immer. Der WM-Teilnehmer war je einmal in Karlsruhe (2:1) und gegen Bochum (3:2) sowie im Doppelpack in Nürnberg (2:2) erfolgreich, dazu beim 3:1 im DFB-Pokal in Ahlen. In allen neun Bundesligaspielen stand er in der Startelf. "Ich fühle mich hier richtig wohl. Trainer und Mitspieler stehen hinter mir und ich spüre, dass mich die Mannschaft braucht", sagt der Vier-Millionen-Einkauf.
Hanke hofft auf Rückkehr ins DFB-Team
Freilich führte ihn die gute Bilanz noch nicht wieder zurück in den Kreis der Nationalmannschaft. Am 7. Februar spielte Hanke zum letzten Mal für Deutschland, wurde beim 3:1 gegen die Schweiz in Düsseldorf eingewechselt. Seitdem herrscht weitestgehend Sendepause zwischen dem DFB und Hanke.
Über die konstante Nichtberücksichtigung durch Bundestrainer Joachim Löw ereiferte sich der 96-Coach. Er könne nicht begreifen, wieso zu den Spielen gegen Irland und Tschechien mit dem Kölner Patrick Helmes ein Zweitligaspieler anstelle Hankes eingeladen würde, sprach Hecking vor den beiden EM-Qualifikationspartien Klartext. In beiden blieb Deutschland ohne Torerfolg.
Hilft Heckings Argumentation? Das nächste Länderspiel ist für den 17. November gegen Zypern angesetzt – in Hannover. "Daran denke ich jetzt nicht, sondern konzentriere mich nur auf Wolfsburg", so Hanke.
Mit einem Sieg gegen den VfL könnte Hannover theoretisch bis auf einen Champions-League-Platz vorrücken. Ein "rotes Meer" auf der Tribüne, wie es Hecking jüngst poetisch formulierte, wird das Spiel allerdings nicht begleiten. 10.000 Plätze bleiben am Sonntag frei.
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