News vom 07.07.08
Interview mit Mike Hanke: „Ich will noch mehr Tore machen“
96-Stürmer Mike Hanke spricht über seine Zukunft in der Nationalelf und über den Schlendrian.
Herr Hanke, wie war Ihr Urlaub?
Das war mein längster Urlaub. Ich habe ihn mit meiner Freundin, meinen Kindern und meinen Eltern in einem Klub sehr genossen.
Wie haben Sie die EM verfolgt?
Im Fernsehen.
Mit etwas Wehmut? Hatten Sie Kontakt zu Spielern der Nationalmannschaft?
Ich hatte drei Wochen das Handy ausgeschaltet und wollte von niemandem etwas wissen. Aber ich habe mich natürlich gefreut, dass die Elf ins Finale gekommen ist. Da war Spanien jedoch klar besser.
Wann sehen wir Sie wieder im Trikot mit dem Adler?
Wann ist das nächste Länderspiel?
Im August.
Na ja, also ... Ich setze mir da jetzt kein Ziel. Ich bin mit sehr guten Fitnesswerten aus dem Urlaub gekommen. Darauf lässt sich aufbauen. Jetzt geht es nur um 96, und das mit dem Nationalteam wird sich irgendwann wieder ergeben, hoffe ich.
Machen Sie sich Vorwürfe, dass Sie Ihre Nationalmannschaftschance durch Fehler verspielt haben?
Was heißt Vorwürfe? Ich habe auf jeden Fall daraus gelernt. Es war ganz klar nicht meine Rückrunde, das reichte nicht, um zur EM mitzufahren. Aber ich habe 30 Spiele am Stück gemacht. Außerdem war ich als Stammspieler gesetzt. Das habe ich vorher auch noch nicht geschafft.
Werden Sie in dieser Saison wieder Stammspieler sein?
Das wird sicherlich schwieriger. Aber ich bin optimistisch. Trainer und Mannschaft wissen, was sie an mir haben, wenn ich in Topform bin. Ich muss aber Konstanz reinbringen und nicht nur in der Hinserie, sondern auch in der Rückrunde die Leistung bringen.
Was hat bei Ihnen den Formunterschied von Hin- und Rückserie ausgelöst?
Es sind mehrere Gründe. Einer könnte sein, dass ich mir wegen der Nationalmannschaft sehr viel Druck aufgebaut habe, weil ich unbedingt dabei sein wollte. Ein anderes Problem war möglicherweise, dass ich sehr früh schon acht oder neun Tore erzielt habe. Damit habe ich meinen Rekord eingestellt – und deshalb war da auch schon eine Zufriedenheit. Vielleicht habe ich innerlich schon etwas zurückgeschaltet. Im Urlaub habe ich mir darüber viele Gedanken gemacht und mich darauf vorbereitet, was zu tun ist, wenn diese Situation wieder so kommen sollte.
Also sind Sie sehr zufrieden, dass Sie Ihre Unzufriedenheit wiedergefunden haben?
Ja, das kann man so sagen.
Mögen Sie den größeren Konkurrenzdruck im Team durch die Neuverpflichtungen?
Absolut. In jeder Topmannschaft gibt es diesen Druck.
Keine Angst vor der Bank?
Ich habe keine Angst. Ich habe aus der Rückrunde meine Schlüsse gezogen. Und ich werde keinen Schlendrian zulassen und noch mehr tun als andere Spieler.
Sie engagieren sich sehr stark in der Defensivarbeit und nehmen weite Laufwege in Kauf. Wollen Sie da auch Ihr Spiel umstellen?
Nein. Das beste Beispiel ist das Spiel gegen Werder Bremen, in dem ich drei Tore erzielt habe – trotz der weiten Wege. Ich habe sehr gute Laktatwerte, von der Fitness her kann ich das machen.
Haben Ihnen andere bei der Aufarbeitung der Rückrunde geholfen?
Ich sehe meine Fehler selbst, dabei braucht mir keiner zu helfen.
Welche Ziele steuern Sie in der neuen Saison konkret an?
Ich will noch präsenter werden im Strafraum und noch mehr Tore machen. Ich werde noch mehr aus eigenem Antrieb heraus zusätzliche Trainingseinheiten machen. Wenn diese Bequemlichkeit sich in den Kopf schleicht, kann man gleich zu Hause bleiben. Außerdem achte ich auf viel mehr Dinge. Etwa auf die Ernährung.
Gibt es da neue Erkenntnisse durch Gespräche, die Sie geführt haben?
Ich werde von einer Ernährungsberaterin unterstützt. Früher habe ich wie viele andere auch Halligalli gegessen. Jetzt habe ich sogar im Kluburlaub, wo Zurückhaltung echt schwer ist, nur vernünftige Sachen zu mir genommen.
Sie haben auf den Laschen Ihrer Fußballschuhe die Namen Ihrer Kinder stehen ...
Ja. Links Jayron-Cain und rechts Janatha-Fey.
Gibt es einen Wettbewerb, welches Kind mehr Tore schießt?
Nein, egal. Hauptsache ich treffe in der Saison wieder zweistellig.
Mit wem teilen Sie im Trainingslager das Zimmer?
Mit Sergio Pinto. Der „rote Salon“ – wir sind schließlich die beiden Rot-Sünder der vergangenen Saison.
Interview: Volker Wiedersheim
<< Zurück