News vom 25.07.08
Hannover 96: Stürmerduell Forssell – Hanke könnte ein Dauerbrenner werden
Dieter Hecking weiß, was Stürmer bei Laune hält. Donnerstagmorgen organisierte der 96-Trainer eine Übungseinheit ganz allein für das Quartett, das hauptverantwortlich für die Trefferquote zeichnet: Mikael Forssell, Mike Hanke, Jan Schlaudraff und Jiri Stajner.


Mehr als eine Stunde versorgten Flankengeber von den Flügeln und der Trainer aus dem Zentrum die Angreifer mit Bällen, die sie den Torhütern Robert Enke und Florian Fromlowitz nur so um die Ohren droschen. „So eine Einheit ist das Beste, was man einem Stürmer abverlangen kann“, fand Hanke danach. „Es sind ein paar schöne Tore gefallen.“ Stimmt. Besonders schön war aber für Hanke wohl auch, dass endlich mal nicht, wie bisher Standard, Konkurrent Forssell am meisten traf.

Gerade dieses Duell – Mike gegen Mikael – hat das Zeug, zu einem Dauerbrenner-Thema der Saison zu werden. Wer von den beiden macht das Rennen, mehr Spiele, mehr Tore? Und ist es überhaupt ein Zweikampf, in dem es nur einen Sieger geben kann, oder werden sie beide Gewinner sein und ein Sturmduo bilden?

Nach den Eindrücken aus den beiden 96-Trainingslagern liegt der Finne Forssell in Front. Seine Bewegungen sind eleganter, seine Schüsse treffsicherer, er ist trickreich, spielt mal mit einem Hackenpass drei Verteidiger aus und den Nebenmann vor dem gegnerischen Torwart frei. Aber wer wird der Nebenmann, der profitiert, wenn solche Kunst zur Konstante wird? Die Antwort hängt von der Form und dem System ab.

Stellt man Dieter Hecking die Systemfrage, gibt er stets die Doppelantwort. Vierermittelfeld in Rautenform und davor zwei Stürmer – genannt 4-4-2 – und das Standardsystem der vorigen Saison mit zwei Mann im defensiven Mittelfeld, drei offensiven Mittelfeldspielern und in der Spitze einem einzigen Stürmer – genannt 4-2-3-1 –, sie werden beide einstudiert. Welches gespielt wird, hängt vom Gegner und der Form der eigenen Leute ab.

Im 4-2-3-1 spricht viel dafür, dass von Forssell mehr Torgefahr als von Hanke ausgeht, der Finne wäre da wohl erste Wahl. Hanke würde dann nicht außen spielen, sondern draußen sitzen. Jan Schlaudraff, der am Donnerstag bei den Torschussübungen mit den meisten Treffern die Nase vorn hatte, kann sehr wohl auf die Flügel ausweichen; ebenso wie Stajner sogar auf beide. Dass Schlaudraff hingegen im 4-2-3-1 die Spielmacherposition hinter der Sturmspitze einnimmt, erwartet Hecking nicht.

In einem 4-4-2 hingegen sollten Forssell und Schlaudraff nach derzeitigem Stand der Vorbereitung das bevorzugte Paar sein. Wenn die beiden wirbeln, gerät das Publikum am Trainingsplatz regelmäßig ins Schwärmen. Dabei kommt aber auch zum Tragen, dass neu verpflichtete Spieler für Fußballfans das sind, was Spielzeuge für Kinder sind: Das Neueste ist immer das Beste und macht am meisten Spaß. Hanke, seit einem Jahr dabei, verfügt nicht mehr über diesen Bonus. Andererseits hat er zehn Treffer in seiner Saisonbilanz stehen. Das ist Beleg dafür, dass es auch ohne die Eleganz von Schlaudraff und Forssell geht.

Der Finne verweigerte unterdessen eine Torprognose für die Saison, „weil das Unglück bringt“, und er hat eine solide Meinung zur Stürmerfrage: „Man braucht mindestens vier gute Stürmer und insgesamt fünf, sechs starke Leute für vorn. Die Konkurrenz ist wichtig. Denn 34 Saisonspiele zu machen, ist fast unmöglich. Daher wird jeder seine Chance bekommen.“

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